09. 06. 2015

Mitarbeiter nennt seinen Vorgesetzten einen „Psychopathen“ und einen „Irren“. Diese Ehrverletzung rechtfertigt jedoch nach Ansicht des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz nicht die außerordentliche Kündigung.

Das LAG Rheinland-Pfalz hat mit Urteil vom 24.07.2014 entschieden, dass eine solche grobe Beleidigung zwar eine erhebliche Ehrverletzung des Vorgesetzten sei und an sich ein wichtiger Grund für eine außerordentliche Kündigung. Jedoch hätte es im konkreten Fall einer Chemiefirma auch eine Abmahnung als Reaktion getan (AZ.: 5 Sa 55/14).

Der Mitarbeiter hatte im entschiedenen Fall seinen Chef nicht direkt beleidigt, sondern zog beim Rauchen im Kollegenkreis ordentlich über ihn her. Dabei soll der Chemikant  den vorgesetzten Produktionsleiter nicht nur "Psychopath", sondern auch als "Arschloch" betitelt haben. Außerdem habe er gesagt "Der gehört eingesperrt", "Der ist irre" und "Der wird sich noch wundern".

Das LAG war der Ansicht, der Mitarbeiter habe darauf vertrauen dürfen, dass seine Rede im Rauchercontainer nicht nach außen dringt und der Betriebsfrieden damit nicht verletzt wird. Eine außerordentliche Kündigung aus einem wichtigen Grund gemäß § 626 Abs. 1 BGB sei nicht gerechtfertigt und trotz der groben Beleidigungen nach den Umständen des Einzelfalls wegen des Fehlens einer Abmahnung unverhältnismäßig.

Auch die hilfsweise erklärte ordentliche Kündigung sei nicht nach § 1 Abs. 2 S. 1 Kündigungsschutzgesetz durch Gründe im Verhalten des Klägers sozial gerechtfertigt. Eine Abmahnung und Versetzung wäre geeigneter gewesen.

Der Mann war sauer, weil sein Vorgesetzter ihn am Tag zuvor bei einem Personalgespräch aus dem Zimmer geworfen hatte. Beide stritten über eine neue Gehaltsstufe, die der Mitarbeiter für ungerecht hielt. Das Gespräch sei eskaliert. Nie zuvor habe er sich so gedemütigt gefühlt, habe der Mitarbeiter später gesagt. Nachdem er über den Chef gewettert hatte, verpetzten ihn jedoch die Kollegen.

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